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Hintergrundinfo zu den einzelnen Stücken Johann
Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-moll, BWV 565 war vor einigen Jahrzehnten wohl
das populärste (Orgel-)Stück des Komponisten, weltweit bekannt gemacht durch
die Orchesterfassung von Leopold Stokowski, und ist auch heute noch höchst
eindrucksvoll. Vieles an dem Stück ist ungewöhnlich, unbachisch,
aber auch genialisch. Die Autorschaft Bachs wird neuerdings von manchen
Forschern bezweifelt, oder es wird vermutet, es sei ein Arrangement eines
Violinstücks. Dennoch: Die Summe der großartigen Einzelheiten, vor allem in
der einleitenden Toccata und dem beschließenden toccatischen Rezitativ, das
unablässige Vorwärtsdrängen und der lange Atem in der an sich nicht besonders
dichten Fuge sprechen doch für Bach als Komponisten, den noch sehr jungen Bach.
Die Form ist die etwas vereinfachte Form der
norddeutschen Toccatenfuge: Toccata - lange Fuge mit ausgedehnten
klavieristischen Spielfiguren - Rezitativ/Toccata. Wachet auf, ruft
uns die Stimme ist der erste von 6 Chorälen, die Bach ca. 1746 bei dem Verleger Joh.
Georg Schübler in Zella drucken ließ, daher auch der Name „Schübler-Choräle“.
Es handelt sich hierbei durchweg um Orgelübertragungen besonders melodiöser,
leicht verständlicher Kantatensätze über so bekannte Choräle wie „Lobe den
Herren”, „Wer nur den lieben Gott läßt walten”, „Wachet auf, ruft uns
die Stimme” u.a., deren gemeinsames Merkmal die einprägsamen Vor-, Zwischen-
und Nachspiele der zur Hauptstimme hinzutretenden konzertierenden Stimmen sind,
die sogenannten Ritornelle. „Wachet auf” stammt aus der gleichnamigen Kantate
zum letzten Sonntag des Kirchenjahrs. Die konzertierende Oberstimme wird dort
von Violinen und Bratschen gespielt, die Liedmelodie vom Tenor gesungen auf den
Text „Zion hört die Wächter singen, das Herz tut ihr vor Freuden springen,
sie wachet und steht eilends auf”. Die Streichermelodie, die man wohl nie mehr
vergißt, symbolisiert hier das Lied der Wächter. Georg Böhm ist
in Thüringen geboren und war von 1698 bis zu seinem Tod 1733 Organist an St.
Johannis in Lüneburg. Er gehört zu den bedeutendsten Komponisten des Spätbarock
und ist mit vielen seiner Werke Vorbild für den jungen Bach gewesen, der ihn während
seiner Lüneburger Jahre (1700-03) sicherlich persönlich kennengelernt hat und
bis in seine Leipziger Zeit hinein mit ihm in Verbindung blieb. (Manches an der
Melodik und Figuration der d-moll-Toccata ist „böhmisch”). Die 7 Partiten (= Variationen) über „Wer nur den lieben Gott läßt walten” variieren die
bekannte Liedmelodie in sehr filigraner, differenzierter klavieristischer
Manier. Es ist eine unbefangene, spielfreudige, eigentlich recht fröhliche
Musik. Auch Christian
Heinrich Rinck ist Thüringer und war Schüler des in Erfurt wirkenden
Bachschülers J.Chr.Kittel. Als Hof- und Stadtorganist in Darmstadt genoß er
hohes Ansehen als Spieler, Orgellehrer und -sachverständiger. Das Flötenkonzert
entstammt seiner in den Jahren 1819 - 21 erschienenen 3-bändigen Orgelschule.
Es ist kein Orgelarrangement eines Instrumentalkonzertes, wie man vermuten könnte,
sondern ein Orgelstück in der Art eines Flötenkonzerts, wobei die typische Flötenidiomatik
glänzend getroffen ist. Das dem Geiste Haydns verpflichtete Konzert lebt vom
Kontrast zwischen „Orchestertutti” und „Solo”. Der 1. Satz hat eine
gewisse Ähnlichkeit mit der klassischen Sonatenhauptsatzform, der 2. Satz gehört
außer einigen Tuttitakten ganz dem Solisten, im 3. Satz schließlich wechselt
ein heiteres, an den berühmten Chor „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes”
aus Haydns „Schöpfung“ erinnerndes Rondothema mehrmals mit immer neuen Einfällen
ab. Der 1822 in Dettingen bei Horb geborene und von 1849
bis zu seinem Tod 1911 in Esslingen als Seminarmusikdirektor, Organist der
Stadtkirche und Leiter des Oratorienvereins das Musikleben der Stadt prägende Christian
Fink ist trotz seiner zahlreichen Werke heute - leider - fast unbekannt.
Dabei wurde vieles bereits zu Lebzeiten des Komponisten gedruckt und liegt ein
Großteil seiner Orgelwerke (5 Sonaten, Trios, Präludien, Fugen, Orgelchoräle
und vieles andere) in Neuausgaben vor. Der hier eingespielte 1. Satz seiner 1856
komponierten 3. Sonate ist ein
Variationensatz über „Jesu, meine Freude”, für den der von Fink
hochverehrte Mendelssohn und die norddeutsche Choralpartita Vorbilder gewesen
sein dürften. Auf den in vollgriffigem akkordlichen Satz p und ff
vorgestellten Choral folgen 4 Variationen. In der 1. liegt die Liedmelodie in
der Oberstimme und wird von sanft bewegten Unterstimmen begleitet. In der 2.
kontrastieren energische akkordliche mit ruhig fließenden Teilen, die 3. ist
ein Triosatz mit der Melodie in der Mittelstimme und einer belebten Oberstimme.
In der 4. schließlich folgt auf einen kräftigen vollgriffigen Beginn im ff
eine Fuge, zu der nach einiger Zeit mächtig im Bass der Choral tritt, immer
wieder unterbrochen von leisen, ruhigen, homophonen Partien. Nach großer
Steigerung verklingt der Satz still. Trotz der liturgischen Titel handelt es sich bei Gloria
in excelsis, Benedictus und Te Deum von Max
Reger nicht um liturgische Orgelmusik im eigentlichen Sinn, d.h. die Stücke
sind nicht für die Verwendung innerhalb des Gottesdienstes gedacht. Es sind
vielmehr Fantasiestücke, die von der Stimmung der liturgischen Situation geprägt
sind. Eine der bekannten gregorianischen
Gloria-Intonationen des Priesters (aus der IV. Choralmesse) inspirierte Reger zu
einem impulsiven Orgelstück. Auf das zunächst lapidar in vollgriffigem
akkordischen Satz vorgestellte Thema folgen teils homophone, teils fugierte
Abschnitte, die immer wieder sieghaft in das Gloria-Thema münden. Das Benedictus ist ein lyrisches Stück hoher Andacht
und Eindringlichkeit mit einem dramatischen fugierten Mittelteil. Wie das Gloria lebt auch das Te Deum aus der Kraft
eines gregorianischen Themas, des Beginns des Hymnus “Te Deum laudamus”. Auf
den impulsiven Anfang mit mehreren Themeneinsätzen folgt zunächst ein
ruhigerer fugierter Satz mit freiem Material, sich dynamisch steigernd und
wieder verebbend, dann eine stürmische Fuge über das
erste Thema mit gewaltiger innerer und dynamischer Steigerung bis zum
fulminanten Schluss. Das etwa 1930 entstandene Präludium und Fuge über „Christ lag in Todesbanden“ des
damals 26-jährigen Hermann Schroeder
ist harmonisch noch der Spätromantik verpflichtet. Es verwendet als
thematisches Material die Melodie des Osterliedes „Christ lag in
Todesbanden”, die große Ähnlichkeit hat mit der Melodie von „Christ ist
erstanden” (beide stammen von der gregorianischen Ostersequenz „Victimae
paschali laudes” ab). Im Präludium werden nach einem einleitenden
Pedalsolo die einzelnen Melodieabschnitte in jeweils unterschiedlicher
Kompositionstechnik verarbeitet; die Fuge gewinnt ihr Thema ebenfalls aus dem
Anfang der Liedmelodie, entwickelt sich in permanenter Bewegung und Steigerung,
bis schließlich gegen Ende der ganze Choral als Krönung in langen Notenwerten
hinzutritt und das Stück majestätisch beschließt. ©
Peter Alexander Stadtmüller Aufnahme, Mischung und
Schnitt: Tonstudio Gress, Alexander und Raymond
Gress GbR, Wangener Str. 26, 73033 Göppingen Aufgenommen
im Oktober 2000 in der Kath. Pfarrkirche St. Albertus Magnus in Esslingen,
Baden-Württemberg Herausgeber:
Verein zur Förderung der Orgel- und Kirchenmusik St. Albertus Magnus,
Oberesslingen. Kontaktadresse: Wolfgang
Hausmann, Tulpenweg 11, 73730 Esslingen. Wir danken allen, die zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben recht herzlich.
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